Daran könnte sowohl ein übersteigerter Sonnenschutz aus Angst vor Sonnenbrand und Hautkrebs oder zu wenig Aufenthalt im Freien - etwa infolge der modernen Arbeitsbedingungen - schuld sein, wie Prof. Jörg Reichrath vom Universitätsklinikum Homburg/Saar im Vorfeld des diesjährigen Vitamin-D-Kongresses, der am 7. und 8. Mai 2005 in Lübeck stattfand, vermutete.
Denn der menschliche Körper kann Vitamin D selbst aus Cholesterin herstellen, allerdings nur wenn die Haut ausreichend mit ultraviolettem Licht bestrahlt wird. Wenn dies nicht in genügendem Menge möglich ist, muss Vitamin D über die Nahrung bzw. ergänzende Präparate (z.B. Vitamin D3-Hevert Tabletten) aufgenommen werden. Außer – wie bereits erwähnt - infolge verminderter Sonneneinstrahlung, können folgende Auslöser eine entsprechende Mangelsituation bewirken:
- Wachstumsphasen
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Mangelernährung
- erhöhte Ausscheidung über die Nieren
- Nebenschilddrüsen-Überfunktion
- Einnahme von Antiepileptika
- verminderte Aufnahme bei Kurzdarmsyndrom
- Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse.
Das Vitamin stellt eine Vorstufe für eine Reihe von Hormonen dar und ist dadurch wesentlich an der Regulation des Kalziumhaushaltes im menschlichen Körper beteiligt. Die Tatsache das Vitamin-D-Mangel somit Osteoporose verursachen kann zählt wohl mittlerweile zum Allgemeinwissen, aber auch andere Erkrankungen wie Diabetes und einige Krebsarten können dadurch ausgelöst werden.
Trotzdem warnen Spezialisten vor allzu ungezügeltem Sonnenbaden. Schon seit längerer Zeit wird diskutiert wie viel Sonne dem Körper nutzt oder schadet, wobei das individuelle Risiko letztlich vom Hauttyp sowie der möglicherweise vererbten Veranlagung für Hautkrebs abhängig ist. Nach heutigem Kenntnisstand gilt es als bewiesen, dass das Hautkrebsrisiko durch (häufige) Sonnenbrände im Kindesalter deutlich gesteigert wird. Aufgrund dieser Unsicherheiten kann daher laut Prof. Michael F. Holick vom Boston Medical Center (USA) nur ein „maßvoller Umgang“ mit dem Sonnenbaden empfohlen werden.
Klarer erscheinen hingegen die - aufgrund einer Gesamtauswertung (so genannte Metaanalyse) von immerhin 40 Studien gewonnenen - aktuellen Empfehlungen für Senioren des Southmed Hospital in Bristol (Großbritanien): Auch bei den Senioren sind nämlich etwa die Hälfte der über 70-jährigen von Vitamin-D-Mangel betroffen, Heimbewohner hingegen sogar bis zu 100 %. Ein hohes Risiko besteht außerdem bei Demenz, Morbus Parkinson, Fallneigung und Osteoporose. Daher empfehlen die Ärzte aus Bristol, dass jeder über 70-jährige 800 internationale Einheiten (IE) Vitamin-D pro Tag einnehmen sollte, soweit keine sonstigen individuellen medizinischen Gründe dagegen sprechen.
Bei bereits vorhandener Osteoporose beträgt der tägliche Bedarf im Übrigen 1000 IE pro Tag. Nach Auffassung von Professor Johannes Pfeilschifter, Leiter der Medizinischen Klinik I am Evangelischen Krankenhaus Lutherhaus in Essen und Mitbegründer des Dachverbandes Osteologie (DVO) sollte man Vitamin D bei einem Zweifel an einer ausreichenden Versorgung Osteoporose Patienten immer in Form von Präparaten zuführen. Je schwerwiegender die Erkrankung, umso wichtiger ist eine ausreichende Versorgung. Wie eine Vielzahl von Studien ergeben habe, könne so die Knochendichte kurzfristig erhöht werden, wodurch die Rate an Knochenbrüchen sinke. Darüber hinaus ist in jedem Fall eine ausreichende Calcium-Zufuhr sicher zu stellen.
Quellen:
dpa
Gerontology 49, 2003,273
DVO-Leitlinie / Der Kassenarzt 7-2005
Thomas L: Labor und Diagnose