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Antibiotika: Ohne großen Nutzen bei Bronchitis?

Patienten mit unkomplizierten Infekten der unteren Atemwege, wie Bronchitis, werden häufig mit Antibiotika behandelt. Gemäß einer Studie sind aber gerade bei der Behandlung unkomplizierter Infekte der unteren Atemwege Antibiotika meist ohne großen Nutzen und eine Behandlung mit ihnen erhöht die Gefahr der Entwicklung von Unempfindlichkeiten gegenüber Antibiotika (Resistenzen).


Laut einer Mittelung des JAMA (Journal of the American Medical Association) werden in den Vereinigten Staaten 55 % der Antibiotikarezepte für die Behandlung von Pharyngitis (Entzündung der Rachenschleimhaut) und akuter Bronchitis (Entzündung der Bronchien) ausgestellt. Hierdurch entstehen Kosten von 726 Millionen Dollar im Jahr.

Neue Erkenntnisse zum Nutzen von Antibiotika bei unkomplizierten Infekten der unteren Atemwege lieferte eine von Paul Little M.D. und Kollegen von der Universität Southampton, England zwischen 1998 und 2003 durchgeführte randomisierte kontrollierte Studie (Aufteilung der Patienten auf die verschiedenen Gruppen nach dem Zufallsprinzip). Ziel war es, die Effektivität dreier Verschreibungsstrategien und eines Informationsflyers zu bewerten. Hierzu wurden 807 Patienten in verschiedene Gruppen eingeteilt: Keine Behandlung mit Antibiotika, verzögerte Antibiotikabehandlung (mehrere Tage nach Krankheitsbeginn) und sofortige Antibiotikabehandlung. Eine weitere Unterteilung erfolgte dahingehend, dass ca. die Hälfte der Patienten jeder Gruppe einen Informationsflyer zur Erkrankung erhielt.

Ergebnis der Studie:

Gerade bei der Behandlung unkomplizierter unterer Atemwegsinfekte sind Antibiotika meist ohne großen Nutzen.
Festzustellen war zunächst, dass der Erhalt eines Informationsflyers keinerlei Auswirkungen auf das Ergebnis hatte. Weiter stellte sich heraus, dass sowohl die Behandlung ohne Antibiotika als auch die verzögerte Behandlung mit Antibiotika im Vergleich zur sofortigen Antibiotikagabe keinen großen Einfluss auf Dauer und Schwere des Hustens sowie der anderen Symptome hatte.  Während die durchschnittliche „Hustendauer“ 11,7 Tage betrug, änderte sich diese bei verzögerter bzw. sofortiger Antibiotikabehandlung nur unwesentlich (um 0,75 bzw. 0,11 Tage). Auffällig war zudem, dass die Häufigkeit der tatsächlichen Einnahme der Antibiotika, die Zufriedenheit damit und der Glaube an die Effektivität abnahmen, wenn das Antibiotikum nicht sofort sondern erst verzögert verordnet wurde.

Mark H. Ebell (Michigan State University) betonte in einem Beitrag zur Studie, dass selbst ältere Patienten und solche mit niedrigem Fieber oder grünem Sputum (Auswurf/ausgehustete Absonderungen aus den Bronchien) nicht in jedem Fall Vorteile von einer Antibiotikatherapie hätten. Wichtig sei vielmehr eine sorgfältige Diagnose und Beratung durch den Arzt. Er muss seinen Patienten erklären, dass die Symptome ca. drei Wochen andauern, egal ob Antibiotika verabreicht werden oder nicht. Jedoch sollen die Patienten auf die Möglichkeit einer Lungenentzündung aufmerksam gemacht werden, verbunden mit dem Hinweis, den Arzt bei einer Verschlimmerung der Symptome wieder aufzusuchen. Allein auf die Eventualität hin, dass einer von 100 Patienten eventuell eine Lungenentzündung entwickeln könnte, sollte keine Behandlung mit einem Antibiotikum stattfinden. Eine solche Behandlung ist einzig aus der Notwendigkeit heraus durchzuführen (z.B. bei vermuteter Lungenentzündung) und nicht auf die alleinige Erwartung des Patienten hin.  

In diesem Zusammenhang ist auch dem Thema Antibiotika-Resistenz anzusprechen, das mittlerweile zu einem weltweiten Problem geworden ist. Gegenüber Antibiotika, bislang als Allheilmittel gegen Infektionskrankheiten bekannt, sind Bakterien immer häufiger unempfindlich. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) kritisiert vor allem, dass Antibiotika häufig zur Behandlung der falschen Infektionen, in der falschen Dosierung und für eine falsche Zeitspanne eingesetzt werden.
 
Laut Aussage der Forschergruppe um Dr. med. Little besteht nun die Herausforderung darin, zu bestimmen, welche Patienten mit Risiken z.B. für eine Lungenentzündung behaftet sind und daher von einer sofortigen Antibiotikabehandlung profitieren.

Quellen:

JAMA. 2005; 293: 3029-3035 Paul Little, MD; Kate Rumsby, BSc; Louise Watson, PhD; Michael Moore, MRCGP; Gregory Warner, MRCGP; Tom Fahey, MD; Ian Williamson, MD: Information Leaflet and Antibiotic Prescribing Strategies for Acute Lower Respiratory Tract Infection

JAMA. 2005; 293: 3062-3064 Mark H. Ebel, MD, MSl: EDITORIAL: ANTIBIOTIC PRESCRIBING FOR COUGH AND SYMPTOMS OF RESPIRATORY TRACT INFECTION – DO THE RIGHT THING

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